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Im Areal rund um die Pfarrkirche der Stadt Pfreimd im Landkreis Schwandorf stand ehemals das Wasserschloss der Grafen von Leuchtenberg. Diese hatten Anfang des 14. Jahrhunderts ihren Stammsitz von der Leuchtenburg in das strategisch und verkehrstechnisch wesentlich günstiger gelegenere Pfreimd verlegt. Eine befestigte Vorgängerburg des Schlosses ist aus Schriftquellen des ausgehenden Hochmittelalters belegt. Legendäre Berichte beschreiben einen befestigten Hof an dieser Stelle, der sogar schon im 9. Jahrhundert existiert haben soll.

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Ausgrabungen westlich der Pfarrkirche konnten erstmals Hinweise auf das Alter und die verschiedenen Umbauten der Burganlage erbringen. Schriftquellen, naturwissenschaftliche Untersuchungen und stilistische Vergleiche ergaben in Verbindung mit den Ergebnissen der Ausgrabungen nun ein deutliches Bild der Genese der Pfreimder Burganlage.

Zwischen den hochmittelalterlichen Mauern und spätmittelalterlichen Kellern waren nur wenige Quadratmeter große ungestörte Flächen erhalten, die allerdings Indizien für zwei hölzerne Vorgängerbauten lieferten. Der älteste Pfostenbau dürfte nach Aussage des Fundmaterials und einer C-datierten Knochenprobe aus dem 7. Jahrhundert stammen. Nach Planierung entstand an gleicher Stelle ein zweiter Holzbau. Die jüngste Keramik aus den dazugehörigen Schichten gehört ins 10./11. Jahrhundert. Danach entstand ein erster Steinbau, der mit Sicherheit zur Burganlage gehörte. Die geborgene Basis eines romanischen Biforienfensters aus dem 3. Viertel des 12. Jahrhunderts gibt dazu den einzigen Datierungshinweis.

Wohl zu dieser Zeit hatte man die Burg mit einem breiten Graben umgeben, dem alle frühmittelalterlichen Befunde zum Opfer fielen. Zeitgleiche Pfostenspuren an der Grabenkante könnten Reste der um 1300 schriftlich überlieferten propugnacula, also eines hölzernen Bollwerks, sein, mit dem die Burg befestigt war.

Im Südosten der Anlage stand ein kleiner quadratischer Turm, dessen Fundament auf Holzpfählen ruhte. Zusammen mit einem zeitgleichen Mauerwerk am erhaltenen Schlosstrakt könnte er Bestandteil einer Toranlage gewesen sein. Ihre Errichtung hängt wohl mit den 1322 urkundlich belegten Baumaßnahmen des Landgrafen Ulrich von Leuchtenberg in seinem neu erworbenen Schloss zusammen.

In den Jahren 1480–1520 wurde die Anlage grundlegend umgebaut: Der Turm wurde abgerissen und der Graben um einige Meter nach Süden verlegt. Es entstand der von Abbildungen bekannte Palas mit seinen 1,9 m starken Mauern und den tonnengewölbten Kellern. Kurz darauf, im Jahr 1534/35, entschloss man sich zur Errichtung einer Zwinger- oder Böschungsmauer zwischen Graben und Schlossaußenmauer.

Einer dieser spätgotischen tonnengewölbten Keller hat sich, ebenso wie Reste der Palaswände, im Anwesen Schlosshof 1, dem sog. Benefiziatenhaus, erhalten. Bei der Sanierung im Jahr 2000 stieß man auf einen weiteren, bislang unbekannten Kellerraum und umfangreiche Mauerreste unter der östlich anschließenden Vorgartenfläche.

Dank der großen Aufgeschlossenheit von Stadtrat und Verwaltung sowie mit Unterstützung des Heimatkundlichen und Historischen Arbeitskreises Pfreimd e.V. konnte erreicht werden, dass die ergrabenen Mauerreste der Schlossanlage nicht wieder verfüllt, sondern dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Dies erfolgte in Form eines begehbaren archäologischen Untergeschosses, das in Anlehnung an das vor wenigen Jahren eröffnete Pendant unter dem Regensburger Neupfarrplatz (Denkmalpflege Informationen B 121 März 2002, 55 ff.) „document” Schloss Pfreimd genannt wurde.

Das städtebauliche Konzept sah für die äußere Erscheinung die Beibehaltung der erhöhten Vorgartensituation vor, bei der sich nun unter einem begrünten Flachdach aus Stahl ein Teil der Vergangenheit von Pfreimd präsentiert: Über die historisch belegte Zugangssituation erschließen sich dem Besucher die beiden gewaltigen tonnengewölbten Kellerräume und ein weiterer Bereich, der die Mauerzüge der Vorgängerbauten und die Draufsicht auf die Gewölbekonstruktion zeigt.

Die originale Bausubstanz wurde zur Präsentation sorgfältig gesichert und konserviert. In einem der großen Gewölberäume konnte der bauzeitliche Bodenbelag aus Flusskieselsteinen erhalten und ergänzt werden, fehlende Bodenoberflächen wurden mit Vollziegelmaterial belegt. Erforderliche Türen, Fassadenelemente, Treppen und Sicherungskonstruktionen wurden als zeitgenössische Zutaten bewusst schlicht und zurückhaltend in Stahl und Glas ausgeführt.

Ein Gebäudetemperiersystem wurde vorbereitet, ein einfaches, zweckentsprechendes Beleuchtungssystem macht die Anlage zu jeder Tageszeit erlebbar. Die Räumlichkeiten des archäologischen Untergeschosses, selbst Exponat zur Stadt- und Schlossgeschichte, werden durch Kurztexte und Graphik didaktisch ergänzt. Daneben bieten die Kellerräume Flächen für themenverwandte Ausstellungen und Veranstaltungen.

Nelo Lohwasser und Günter Naumann

Quelle:
Denkmalpflege Informationen des 
Bayer. Landesamtes für Denkmalpflege
Ausgabe B 131 - Juli 2005

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