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Das Mühlrad

Das historische Mühlrad stammt ursprünglich von der Bruckmühle und wurde vom Verein "Der Stadtturm" aufwändig restauriert.

Seit 2012 dreht es sich nun im Schleifmühlbach. Hier findet sich auch ein Infopunkt zum Thema "Naturpark und Landschaft".

Mit seiner gemütlichen Sitzgruppe lädt dieser Ort in der Fischergasse Spaziergänger zum Verweilen ein.

Die Geschichte des Mühlrades

Das Mühlrad dreht sich wieder!

- Glückliches Ende einer fast unendlichen Geschichte

Die Stadt Pfreimd kann seit dem Hochmittelalter bis herauf ins 20. Jahrhundert vier Mühlen nachweisen, und zwar die Stadtmühle, die Bruckmühle, die Schleifmühle (alte Bezeichnung war Damm-Mühle) und schließlich der aus dem früheren Eisenhammer hervorgegangene Mühl- und Sägebetrieb Hammermühle.

Die Geschichte dieser Betriebe wurde in der Vergangenheit schon mehrfach ausführlich beschrieben.  Alle diese Mühlen mussten im Laufe ihrer langen und wechselvollen Geschichte aber im letzten Jahrhundert ihren Betrieb endgültig einstellen.

Außer den immer noch gebräuchlichen Gebäudenamen für diese Mühlen gab und gibt es im gesamten öffentlichen Bereich der Stadt aber keinen einzigen Hinweis auf diese frühe Form der Energiegewinnung, die damals einen wesentlichen Beitrag zur Ernährung, zum Einkommen und dem Wohlergehen der Bevölkerung leistete. Unter Berücksichtigung des städtischen Wappens (u.a. drei Sterne) und der historischen Legende, dass Pfreimd angeblich seinen Ursprung drei Mühlen verdankt, weckte das letzte Pfreimder Mühlrad in der Bruckmühle bereits Ende der Neunziger Jahre das Interesse des Heimatkundlichen und Historischen Arbeitskreises.

Um dieses Mühlrad der Nachwelt zu erhalten, haben Mitglieder des „Stadtturm“, vor allem Christoph Schnabel, angeregt, das in einem desolaten Zustand sich befindende Rad auszubauen, gründlich zu renovieren und an einer geeigneten Stelle zur Erinnerung an die Pfreimder Mühlentradition wieder aufzubauen.

Während einer Stadtratssitzung unter der Leitung des 1. Bürgermeisters der Stadt Pfreimd, Herrn Albert Maier, wurde vereinbart, dass der „Stadtturm“ das Mühlrad soweit herrichtet, dass es in einem Wasserlauf aufgestellt werden kann. Seitens der Stadt Pfreimd werde der Aufstellungsort festgelegt und auch die Fundamente hergestellt.

Bis es jedoch so weit war, musste mancher harte Widerspruch nicht nur potenzieller Anlieger der geplanten Aufstellungsorte berücksichtigt werden. Manch vorgesehener Standort scheiterte an zahlreichen Einwänden und Einsprüchen, am geltenden Wasserrecht und auch an den voraussichtlichen Kosten. Letztlich ist der Erfolg nur der Hartnäckigkeit und der Ausdauer von Initiator Christoph Schnabel und seiner Mitstreiter, finanzieller und materieller Unterstützung zahlreicher Firmen und des Einsatzes von Bürgermeister Arnold Kimmerl und einzelnen Mitgliedern des Stadtrates, dem Sachbearbeiter Christian Wirth von der Stadtverwaltung sowie den Beschäftigten des städt. Bauhofes zu verdanken.

Der „Stadtturm“ hatte dem Stadtrat zunächst vorgeschlagen, das Mühlrad aus Kostengründen „trocken“, evtl. auf der Wiese neben dem Turmmaurerturm, aufzustellen. Doch im Stadtrat war man der Meinung, wenn schon ein Mühlrad, dann sollte es sich auch im Wasser drehen. Die Kostenfrage sowie ein möglicher Aufstellungsort wurden dabei noch nicht behandelt.

In den nächsten Jahren wurde die Sache zwar regelmäßig und mehrmals im Stadtrat diskutiert, ohne jedoch einen abschließenden  Beschluss zu fassen. Dabei wurde immer die Aufstellung in einem Fließgewässer bevorzugt. Da seitens der Stadt kontinuierlich eine bewegliche Aufstellung favorisiert wurde, mussten dann bei den Restaurierungsarbeiten auch entsprechende Anforderungen an Material, Ausführung und Montage beachtet werden.

Aber zunächst musste erst einmal der Besitzer der Bruckmühle Herr Willibald Enders, der Bruckmühl-Willi, mit ständigem gutem Zureden von der Notwendigkeit des Erhalts des letzten Pfreimder Mühlrades überzeugt werden. Schließlich willigte er im Dezember 2005 ein: „Na holt's es halt raus!“ Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass das Mühlrad in Pfreimd aufgestellt würde, da sich bereits auch schon mehrere auswärtige Interessenten gemeldet hatten!

Als Erstes musste geklärt werden, ob das ausgebaute Mühlrad im städtischen Bauhof zwischengelagert und dort auch wieder instandgesetzt werden konnte. Nach Zustimmung von Bürgermeister und Bauhof rückte dann am 9. Dezember 2005 Hans Armer mit dem Lader der Fa. Georg Hösl an, um das marode Dach über dem Mühlrad abzuheben. Die Fa. Hanauer, Pfreimd,  erklärte sich bereit, die Antriebswelle abzutrennen.

Am 29.09.2006 erschien dann der Seniorchef Anton Hanauer persönlich mit großer Ausrüstung und nach zwei Stunden war die schweißtreibende Arbeit erledigt. Dass dabei die Freiwillige Feuerwehr Pfreimd mit einem Löschzug als Wunsch von Hanauer und als Voraussetzung für die Durchführung der Schweißarbeiten anwesend war, erwies sich als gute und weitsichtige Vorsichtsmaßnahme. Durch die entstehende Hitze beim Schweißen entzündete sich plötzlich das noch im Achslager befindende Fett, Flammen schlugen an der Hauswand hoch und mussten von der Feuerwehr gelöscht werden.

Hans Armer hat dann mit dem Bagger der Fa. Hösl, den er extra erst aus Wernberg holen musste, das Mühlrad, bzw. das was davon noch übrig war, aus dem Sumpf des ehemaligen Mühlbaches herausgehoben und unter „Assistenz“ der Feuerwehrleute, von Manfred und Stephan Enders, Erhard Helgert und Christoph Schnabel zum Bauhof transportiert.

Nun ging es aber ans „Eingemachte“, d.h. für die weiteren Arbeiten wurde diverses Material benötigt, das schließlich Geld kostete. Dankenswerterweise erhielten wir auf Vermittlung von Herrn Josef Simeth von der Fa. E.ON Regensburg eine Spende von 500,00 Euro. Ebenso beteiligten sich die Sparkasse im Landkreis Schwandorf und die Raiffeisenbank im Naabtal mit einem Zuschuss von jeweils 500,00 Euro. Die Fa. Wilden/Gerresheimer hat uns alle Schrauben, Muttern und Scheiben kostenlos zur Verfügung gestellt.

Eine große Schwierigkeit stellte jedoch die Wiederherstellung und Gangbarmachung der eisernen Achse des Rades dar. Nach langem Suchen und kostspieligen Angeboten erhielten wir den Hinweis, dass – ganz in unserer Nähe! – die Fa. Hydraulik-Schlögl in Wernberg-Köblitz in der Lage sei, ein so großes Teil abdrehen zu können. Als Initiator Christoph Schnabel Herrn Schlögl Bilder der ausgefahrenen Achse zeigte, sagte dieser nur: „Wo ist das Problem? Bringt die Achse her. Finanziell werden wir schon eine Lösung finden“! Fazit: Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute gleich in unserer Nachbarschaft liegt.

Die Fa. Schlögl hat die Achsenden ab- und die Lagerblöcke ausgedreht. Die abgehobenen Teile wurden mit Lagerbuchsen versehen, spezielle Lager aufgezogen und mit besonderen Simmerringen abgedichtet. Beide Lager wurden mit einer Dauerschmierung versehen und gekapselt, so dass keine weitere Wartung erforder-lich sein sollte. Zum Abschluss wurde das gesamte Paket sandgestrahlt und mit einer Farbgrundierung beschichtet. Kosten für Arbeitsleistung und eigenes Material wurden  grosszügigerweise von der Fa. Schlögl gesponsert, beschafftes Fremdmaterial in Rechnung gestellt.

Ein weiteres Problem – bei weitem aber nicht so schwerwiegend wie bei der Achse – entstand bei der Anfertigung der Formteile für die Felgen. Die Schreinerei Heinrich Lippert hatte sich bereit erklärt, dass wir alle Holzteile auf ihren Maschinen schneiden können, sie habe aber keinen Fräßkopf, der so groß war, die Balken bearbeiten zu können.

Glücklicherweise half uns hier Sepp Zeitler (Hohe Straße), beschäftigt bei der früheren Fa. Rübig, jetzt Kennametal in Nabburg, aus der Patsche.  Er fertigte uns einen speziellen Fräßkopf an, der bei Heiner Lippert in die Maschine passte. Und weil wir zum Zusammenfügen der einzelnen Teile nicht nur Schrauben, sondern auch alle 20 cm drei cm starke Holzdübel brauchten, hat uns der Dofferl Sepp (Metzgermeister Josef Paulus) mehrere Eichenbohlen geschenkt, aus denen wir die ca. 200 benötigten Dübeln angefertigt haben.

Nun konnte mit dem Zusammenbau der Felgen unter einem Schleppdach des Bauhofes begonnen werden. Das Arbeitsteam bestand aus Günther Friedl, Horst Troidl und Christoph Schnabel. Viele Stunden, teilweise bis jeweils spät in die Nacht, mussten investiert werden, um das Puzzle zusammen zu setzen. Am 5. November 2008 konnten die Arbeiten an den Felgen, Sprossen und Schaufeln abgeschlossen werden.

Es gab aber leider noch keinen Ort, wo wir das Rad hätten aufstellen können. Bürgermeister und Stadtrat hatten immer noch keine Entscheidung über den Standort getroffen. Manchem Stadtrat schienen die von Fachleuten errechneten und veranschlagten Kosten für die „nasse“ Aufstellung nun doch zu hoch, eine „trockene“ käme sicher viel preisgünstiger. Dazu war es nun aber eigentlich zu spät, da die gesamte Restaurierung mit enormem Arbeitsaufwand und Kosten auf eine Aufstellung im Fließwasser, wie seitens des Stadtrates gewünscht, ausgerichtet worden war. Die Entscheidung wurde immer wieder aufgeschoben, da man sich nicht einigen konnte.

Unser idealer Wunschplatz wäre eigentlich der Mühlbach an der Ram gewesen, sozusagen als Blickfang und zur Begrüßung, wenn man von Nabburg nach Pfreimd fährt. Dort hatten wir aber keine Chance, weil der Grund und das Wasserrecht in Privatbesitz ist und die Befürchtung geäußert wurde, dass es für die Anwohner zu laut werden und es evtl. zu Wasserstauungen und Überschwemmungen kommen könnte.

Ein weiterer geeigneter Platz wäre im Mühlbach an der Stadtweiherwiese neben der Brücke über die Bürgermeister-Reichl-Straße gewesen. Dort gehört der Grund zwar der Stadt Pfreimd, das Wasserrecht liegt aber auch hier in Privatbesitz. Die Anwohner wehrten sich außerdem vehement dagegen, weil sie befürchteten, dass zu viele Neugierige kämen und zu viele Autos vorbeifahren würden, so dass es mit der Ruhe vorbei wäre. Auch befürchtete man hier, dass es durch angeschwemmtes Laub oder verkeilte Äste zu Stauungen und Überschwemmungen kommen könnte.

Es hat somit keine Aussicht bestanden, die erforderlichen Unterschriften der Anwohner zu erhalten. Weitere mögliche Standorte wurden diskutiert, die sich aber alle nicht realisieren ließen. Allmählich zeigten sich erste Spuren von Resignation, Unverständnis und auch Wut. Selbst an eine Veräußerung des Mühlrades wurde gedacht. Wieder war es Christoph Schnabel, der die „Wogen glättete“ und beharrlich nach einer Lösung für sein Werk suchte. Schließlich blieb eigentlich nur der jetzige Platz an der Hofwehr übrig. Dort gehören der Grund und das Wasserrecht der Stadt Pfreimd.

Seit 2008 wurde immer wieder in zahlreichen Stadtratssitzungen und in Besprechungen das Thema behandelt, ohne allerdings zu einem definitiven Ergebnis und positiven Erfolg zu führen. Licht im Tunnel erschien, als Bürgermeister Kimmerl sich beim Landratsamt Schwandorf und der Regierung der Oberpfalz dafür einsetzte, das Rad mit seinem Umfeld in das Programm des Oberpfälzer Naturparks einzubinden.

Nach der Zusage einer 50%igen Förderung konnte die Arbeit endlich weitergehen. Am 19. März 2012 fiel es dann dem Bauausschuss und dem Stadtrat leichter, dem Mühlrad zu seiner Auferstehung zu verhelfen. Am 2. August 2012 erhielt Christoph Schnabel von der Stadtverwaltung die Mitteilung, dass der Antrag an die Regierung der Oberpfalz und an das Landratsamt wegen der Einrichtung des „INFO-POINTS“ im Naturpark Oberpfälzer Wald eingereicht worden sei.

Nun ging es doch schlagartig weiter, dank der tatkräftigen Mithilfe der Mitarbeiter in der Stadtverwaltung und des Bauhofes:

Der Bauhof erstellt einen Sockel aus Holzbalken zum trockenen Aufbau des Rades. Die Fa. Hanauer erhält den Auftrag, das Eisengestell für das Fundament anzufertigen. Die Fa. Georg Hösl gräbt das Fundament aus und erstellt die beiden Betonauflagen. Im Bauhof erfolgt in der Zwischenzeit der Zusammenbau des Rades. Zuerst werden die Felgen auf das Eisengestell gehievt, dann folgt der Aufsatz der zwei Tonnen schweren Achse mit den Lagerblöcken. Die Farbe für den Deckanstich aller Eisenteile lieferte die Pfreimder Malerfirma Hubert Betz. Am 26. September 2012 waren dann die Holzarbeiten (bei Vollmondschein!) abgeschlossen.

Am 12. Oktober 2012 – mehr als ein Jahrzehnt nach den ersten Schritten zur Rettung des letzten Pfreimder Mühlrades – stand im städtischen Bauhof ein Schwerlastkran der Fa. Einhäupl bereit, um das Mühlrad auf einen Tieflader der Fa. Schwandner zu verladen. Der Transport erfolgte reibungslos über die Bahnhof-straße an den neuen Standort an der Fischergasse. Unter zahlreicher Beteiligung der Pfreimder Bevölkerung konnte dann das Mühlrad aufgestellt werden.

Besonderer Dank gilt unserem Vereinsmitglied und Initiator Christoph Schnabel. Durch sein Engagement und unermüdlichen Einsatz in der Sache wurde das letzte Pfreimder Mühlrad der Vergessenheit entrissen.

Der letztliche Erfolg lässt alle auf sich genommenen Mühen, Erschwernisse und Rückschläge gerne vergessen. Dank gilt auch Herrn Bürgermeister Arnold Kimmerl für seinen Einsatz bei der Regierung der Oberpfalz und dem Landratsamt Schwandorf, der schließlich zu der Aufnahme des Mühlrades mit dem Info-Platz in das Programm des Naturparks Oberpfalz und zu der hohen Förderung geführt hat.

Quelle: Jahresschrift "Der Statturm" Nr. 27/2007

Diese Jahresschrift erhält weitere Berichte und Bilder zum Thema und ist in der Kasse der VG Pfreimd zu erwerben.

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