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Zur Situation des Schulwesens bei Kriegsende

Trotz unmittelbarer Einflüsse der Kriegssituation auf den Schulbetrieb fand während des Krieges (mit Ausnahme der letzten Wochen und Monate) ein regelmäßiger schulischer Unterricht an den Pfreimder Schulen statt. Anhand von Schüler- und Zensurlisten kann man von einer zweiklassigen Knabenschule und einer dreiklassigen Mädchenschule zum Schuljahresende 1941/42 ausgehen. Rektor Ludwig Hanner schildert die Situation während des Krieges folgendermaßen: "

"Zwischen 1938 und 1942 betrug die Durchschnittsschülerzahl an der Knabenschule 108; die Mädchenschule wurde durchschnittlich von 130 Schülerinnen besucht. Nach 1942 bekam auch die Volksschule Pfreimd, die sich von Jahr zu Jahr verschärfenden Auswirkungen des Krieges zu spüren. Wegen Kohlemangels mußte häufig in den Wintermonaten der Unterricht ausfallen, das Lehrpersonal wechselte nun häufiger die Einteilung der Klassen, auch in geschlechtlich gemischte, vollzog sich nach den noch verbliebenen oder neu zugewiesenen Lehrpersonen. (..) In drei Schülerlisten des Schuljahres 1944/45 findet sich die Notiz, daß wegen der Kriegsverhältnisse im ersten Halbjahr die Benotung unterblieben ist. Im zweiten Halbjahr war kaum mehr regelmäßiger Unterricht, er hörte in den Wirren der letzten Kriegswochen ganz zu bestehen auf "

Mit der Besetzung Pfreimds durch amerikanische Truppen wurde der Schulbetrieb gänzlich eingestellt. Nach Zeugenaussagen von ehemaligen Schulschwestern, die nach dem Kriegsende in Pfreimd ihren Dienst wieder versahen, gestaltete sich die unterrichtslose Zeit vom Einmarsch bis in den Oktober hinein in etwa folgendermaßen:

"Am Kriegsende stand das Pfreimder Schulwesen gottlob nicht vor einem äußeren Trümmerfeld, aber die nun sich anschließenden Wochen und Monate hatten Folgen für beide Schulgebäude. Nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen bekamen aus dem Gefangenenlager Stulln entlassene Russen die beiden Schulhäuser in Pfreimd als Quartier zugewiesen, auch die Bevölkerung der Stadt hatte Zutritt zu allen Räumlichkeiten. In kurzer Zeit verschwand vieles aus den Schulgebäuden, was nicht niet- und nagelfest war, z. B. Stühle, Fenstervorhänge, Wanduhren, Bilder, die ganze Einrichtung des Kindergartens, Bücher der Lehrer- und Schülerbibliothek und so wichtige Schulunterlagen wie Schülerlisten und Schülerbögen. Nur ein geringer Teil dieser Dinge wurde später wieder zurückgebracht. Die bis 1945 geführte Chronik über die Knabenvolksschule ging leider verloren. Als im Juni dann die Schulhäuser von den Insassen geräumt waren, boten sie ein trauriges Bild. Nur ein Teil der Schulbänke war ganz geblieben. Von ziemlich neuen Zweisitzern fanden sich nur noch die Eisenteile; es fehlten Kathederstühle, Schranktüren und - bretter. Das Holz war wohl als Brennmaterial verwendet worden. Die Öfen waren stark beschädigt, Schultafeln und Landkarten fehlten; von den vielen Anschauungsmitteln wie Bilder, geometrische Körper und physikalische Geräte, war nichts mehr zu finden.

In den nun folgenden Wochen des Sommers wurden die beiden Schulhäuser von der Stadt freilich zunächst nur sehr notdürftig wieder instandgesetzt. Die übriggebliebenen Schulmöbel wurden einer Reparatur unterzogen bzw. durch die Schreiner der Stadt neu angefertigt. Zum Beginn des Schuljahres 1945/46 schließlich wurde der reguläre Unterricht wieder aufgenommen. In Pfreimd begann er am 4. Oktober 1945.

"Da sämtliches Lehrpersonal, welches der NSDAP angehört hatte,' nicht mehr den Schuldienst antreten durfte, kamen für den Schuldienst die Armen Schulschwestern wieder zur Anstellung. Für die 77 Schulanfänger wurden nach Knaben und Mädchen getrennt, 2 Klassen, für den 2. Schülerjahrgang mit 50 Schülern, den 3. Schjg. mit 63 Schülern und den 4. Schjg mit 67 Schülern je eine Klasse gebildet. Am 2. November 1945 begann auch für die Oberklassen 5 bis 8 das Schuljahr 57 Schüler der 5. Jgst., 58 Knaben sowie 68 Mädchen der Jgst 6 bis 8 bildeten die 3 Klassen in der Oberstufe. Für die insgesamt 440 Schülerinnen und Schüler; aufgeteilt in 8 Klassen, standen jedoch im Schuljahr 1945/46 nur 6 Lehrkräfte zur Verfügung. Zwei Monate lang waren es sogar nur fünf. Wenigstens 2 Lehrkräfte mußten daher ständig im Abteilungsunterricht zwei Klassen, eine am Vormittag und die anderen am Nachmittag versorgen. Dieses Übermaß an Anstrengung und Einsatz haben zumeist Sr. Maria Antilia Hager; der auch noch die Schulleitung über das ganze Schulwesen aufgebürdet war; Schwester Maria Natalena Straubinger und Lehrer Johann Sieber geleistet. Erschwerend für die Unterrichts- und Erziehungsarbeit waren obendrein die sehr hohen Schülerzahlen in den einzelnen Klassen und der gänzliche Mangel an Anschauungsmaterial. Die von der Militärregierung genehmigten Lernbücher trafen im Verlauf des Schuljahres ein, allerdings in viel zu geringer Anzahl. "

Auch in den nun folgenden Schuljahren besserte sich die unterrichtliche und personelle Situation an der Pfreimder Volksschule nur sehr langsam. Die Schülerzahlen nahmen auch infolge der Flüchtlingsströme stetig zu und waren zum Beginn des Schuljahres 1947/ 48 auf 470 Schulkinder angewachsen.

Armin Schärtl

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