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Zur Geschichte des Pfreimder Kalvarienberg-Kreuzweges

Am südöstlichen Ende der Stadt Pfreimd, dem Gewerbegebiet „Am Kalvarienberg" nördlich vorgelagert, liegt der sogenannte Kalvarienberg, ein Naturdenkmal, welches dem heute dort angrenzenden Gewerbegebiet seinen Namen gab. Der nach Westen hin abfallende Bergrücken kann weitgehend noch dem Mühlberg zugerechnet werden, bevor das Gelände sich in der Talebene der Naab und Pfreimd erstreckt. In der Natur umfasst die Flurbezeichnung Kalvarienberg ein rund 1,3 ha großes mit altem Laubbaumbestand bestücktes Flächendreieck, dessen oberer Zwickel von einer schlichten Feldkapelle abgeschlossen wird. Bis vor rund 50 Jahren lag der Kalvarienberg weit draußen vor den Toren der Stadt. Heute ist das reizvolle „Fleckchen" durch die unmittelbar vorbeiführende Autobahn vom Siedlungsgebiet abgetrennt und verharrt zwangsläufig in einem „Dornröschenschlaf".

Soweit zur geographischen Lage. Auf dem Kalvarienberg, seine Bezeichnung lässt es bereits vermuten, befindet sich auch ein religiöses Baudenkmal. Zum einen ist es die barocke Kalvarienberg-Kapelle, zum anderen sind es 13 Granitsäulen, die als Kreuzweg-Stationen vom Bergfuß zur Kapelle führen.

Bereits im 15. Jahrhundert ließ die Volksfrömmigkeit den „Kreuzweg" als sichtbare Nachbildung der einzelnen Stationen des Weges Christi zum Kreuz entstehen. Zu Beginn dieser Entwicklung handelt es sich meist um plastische Bildwerke. Die einzelnen Bildwerke forderten den Gläubigen auf, den Kreuzweg Christi meditierend von Station zu Station mitzuerleben. Aus zunächst nur sieben Stationen wurden im Laufe der Zeit, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert unter dem Einfluß franziskanischer Kreuzwegandachten, vierzehn Stationen. Neben diesen plastischen oder gemalten Nachbildungen des Kreuzweges in Kirchen, an Kirchenmauern u.s.w. legte man auch ausgedehnte Kreuzwege in freier Natur an. Die Leidensstationen des Herrn ziehen sich an einem natürlichen oder künstlich angelegten Berg hin und enden mit der Kreuzigung auf dem Gipfel. Die einzelnen Stationen befinden sich meist in kleinen Kapellen oder die Darstellungen werden wie in Pfreimd von Säulen aufgenommen.

Zum derzeitigen Zeitpunkt läßt sich nicht sagen, wann der Pfreimder Kalvarienberg entstanden ist. Sicher ist allerdings, dass er bereits im 18. Jahrhundert existent war. Im Jahre 1740 errichteten die Eheleute Barbara und Hans Georg Maister die noch heute stehende Kapelle am Gipfel des Berges. Neben dem „leeren" Kreuz findet sich darin auch eine Nachbildung des „Heiligen Grabes" von Jerusalem. Als vierzehnte und letzte Station eines Kreuzweges wird sie wohl einst errichtet worden sein. Ein weiterer Nachweis ist der Eintrag der Bezeichnung „Kalvarienberg" im Pfreimder Ratsprotokoll des Jahres 1786. Das Ensemble wie wir es heute kennen, wurde jedenfalls ab 1854 errichtet und kann somit auf eine 150-jährige Geschichte zurückblicken.

Fromme Stiftung der Anna Luber

Am 29. Dezember 1853 protokollierte der Pfreimder Stadtschreiber den Willen der Anna Luber, Ehefrau des Bauers Friedrich Luber aus Nessating, wonach diese den dritten Teil eines dem Wolfgang Fellner von Untersteinbach gewährten Darlehens der Kirchenverwaltung Pfreimd zur Errichtung eines Kreuzweges oder für andere religiöse Zwecke übereignete. Die Höhe dieses Drittels lag bei 100 Gulden, sie wurden noch am gleichen Tag dem Stadtpfarrer in bar übergeben. Damit war der Grundstock für die Errichtung des heutigen Kreuzweges am Kalvarienberg in Pfreimd gelegt.

Bereits im folgenden April 1854 kontaktierte man den Steinhauer Johann Hutzler von Johannisberg bei Oberviechtach und schloss mit ihm einen Herstellungs- bzw. Kaufvertrag. Für die 13 Kreuzwegstationen aus Granit wurde ein Preis von 12 Gulden je Steinsäule vereinbart. Nach Vorlage einer Mustersäule erteilte man im November den Auftrag zur Herstellung aller Säulen unter der Bedingung, dass diese noch im Winter 1854/55 fertig zu stellen waren, damit sie per Schlitten abgeholt werden konnten. Am 31. Oktober 1854 wurde die erste Station aufgestellt. Die Fertigung der weiteren Stationen verzögerte sich dann. Erst im Oktober des Jahres 1857 wurde die letzte Rate für die gelieferten 13 Stationen bezahlt.

Die gesamte Baumaßnahme war jedoch mit der Anschaffung der steinernen Kreuzweg-Stationen keineswegs erledigt. Auch reichten für dieses Vorhaben die gestifteten 100 Gulden bei weitem nicht aus. Sowohl seitens der Pfarrei als auch der Kommune wurden Sammlungen arrangiert. So brachte die Sammlung der Pfarrei 35 Gulden, Pfarrer Sigert spendete 20 Gulden und die Gemeinde steuerte einschließlich des eigenen Sammlungsbetrages insgesamt 89 Gulden 8 Kreuzer bei. Nachdem die Steinmetzarbeiten und die Lieferung der Säulen abgeschlossen war, konnte zur künstlerischen Gestaltung geschritten werden. Den Auftrag zur Fertigung der gemalten Stationsbilder, welche in die Steinsäulen eingelassen wurden, erhielt der Amberger Kunstmaler Johann Baptist Ernstberger. Im März 1858 erhielt er dafür 30 Gulden. Der Pfreimder Fassmaler und Vergoldermeister Ferdinand Meindl vergoldete für 7 ½ Gulden die 13 Stationskreuzchen aus Eichenholz mit Dukatengold und fasste den Hl-Grab-Christus in der Kapelle. Im März 1859 wurden neue Bäume gepflanzt. Die ehrwürdigen alten Linden wurden anscheinend bereits Jahre vorher abgeholzt. Zumindest wird dieses in den „Abschiedsworten des alten Stadtturms" erwähnt. Mit den Renovierungsarbeiten an der Kalvarienbergkapelle im August 1859 waren dann die baulichen Arbeiten am Kalvarienberg-Kreuzweg abgeschlossen. Nun fehlte noch der kirchliche Segen. Mit Schreiben vom 6. September 1857 erteilte das Bischöfliche Ordinariat Regensburg dem Pfarramt die Benediktionserlaubnis durch einen Franziskanergeistlichen. Am 14 September 1857 weihte P. Cyrillus Riederer vom Franziskanerkloster Pfreimd den neuen Kreuzweg am Kalvarienberg feierlich ein.

Nach den überlieferten Abrechnungsunterlagen beliefen sich die Gesamtkosten der Maßnahme auf 289 Gulden 58 Kreuzer, wobei die „Hand- und Spanndienste von Jung und Alt beiderlei Geschlechts" nicht veranschlagt wurden. Die Einnahmen hingegen wurden mit 281 Gulden, 29 Kreuzer beziffert. Stadtpfarrer Sigert, Anton Stiegler und Lorenz Langmann übernahmen jeweils sogar die Kosten für eine Station.

Rund 20 Jahre später erfolgte 1881 eine erneute Renovierung der Kapelle. Das Gebäude wurde hierbei komplett neu getüncht. Der Innenraum erhielt ein Ziegelpflaster, der Aussenbereich wurde mit Kieselsteinen geflastert. Vom Pfreimder Schreiner Agla wurde auch ein neues Hl. Grab gefertigt. Die Renovierungskosten beliefen sich auf 60 Mark. Auch die Stationsbilder wurden renoviert. Der Amberger Maler Holzner übernahm diese Arbeit und berechnete hierfür 50 Mark, welche durch freiwillige Spenden gedeckt wurden.

Im Jahre 1891 erhielten sämtliche Stationen neue Holzkreuze, sie wurden am 16. April durch einen Pfreimder Franziskanergeistlichen geweiht.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später hören wir wieder vom Kalvarienberg. Der Zahn der Zeit konnte zwar den steinernen Kreuzwegstationen kaum etwas anhaben, die darin befindlichen Bilder waren allerdings unwiederbringlich verloren. Anton Betz, ein Pfreimder Kunstmaler, schuf im Jahre 1947 neue Stationsbilder. Ihre Lebensdauer war schon aufgrund der verwendeten Materialien nur begrenzt. Kurz nach dem Krieg konnte wegen der herrschenden Not nur auf Presspappe als Bildträger zurückgegriffen werden. Dennoch trotzten diese Gemälde dreissig Jahre lang den Unbilden der Witterung. Danach waren sie nicht mehr zu retten. Auf Initiative des damaligen Präses des Franziskanerklosters Pfreimd, P. Aquilas Rohner, wurde die Neuherstellung der Stationsbilder im Frühjahr 1977 in die Wege geleitet. Entsprechend des von Anton Betz verwendeten „Führich"-Motivs wurde der Eslarner Kirchenmaler Rauch beauftragt, die neuen Bilder auf Metallplatten zu malen. Die Kosten in Höhe von ca. 60 DM je Bild wurden durch Stiftungen und Spenden bestritten. Inzwischen ist mehr als ein Viertel-Jahrhundert vergangen.

Quelle: Jahresschrift 20/2004 Heimatkundlicher und Historischer Arbeitskreis "Der Stadtturm"

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