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Stadt Pfreimd (Druckversion)

Von-Federl-Straße

Von-Federl-Straße

Dr. Johann Federl wurde im Jahre 1550 in (Stephans- oder Maria-) Posching geboren. Seine Eltern waren allem Anschein nach nicht gerade unbemittelt, denn sie  konnten beide Söhne Johann und Alban studieren lassen, zur damaligen Zeit sicher nicht alltäglich. Alban widmete sich dem Priesterstande und wurde Pfarrer in Waltendorf. Er verstarb 1598 und hinterließ seinem Bruder Johann ein ansehnliches Erbe. Johann hatte sich der Rechtswissenschaft zugewandt, studierte an der Universität Ingolstadt und kam 1570 an den leuchtenbergischen Hof nach Pfreimd. Dort war er als Präzeptor (= Erzieher) für den erst siebenjährigen Landgrafensprössling Georg Ludwig verantwortlich, dessen Vater viel zu früh bereits 1567 verstorben war. Im Jahre 1576 zog Federl mit dem jungen Landgrafen an die Universität Ingolstadt und leitete dessen Studien. Gleich im ersten Wintersemester wurde Georg Ludwig zum Rektor der Universität ernannt, insgesamt eine teuere Ehre. Von 1580  bis 1583 weilten Federl und der junge Landgraf bei dessen Vormund Herzog Wilhelm V., dem „Frommen“, am bayerischen Hofe. In diesen Jahren konnte sich Georg Ludwig seine ersten Sporen auf dem diplomatischen Parkett verdienen, da er gemeinsam mit Federl im Auftrag des Herzogs häufig auf Reisen war, die ihn u.a. zum Kaiser nach Prag, nach Speyer zur Inspektion des Kammergerichtes, nach Innsbruck, Lüttich, Nancy, Strassburg, Baden etc. führten.

Vom 1. Januar 1582 erscheint der bisherige Präzeptor Federl als leuchtenbergischer Rat mit einem Jahresgehalt von 100 Gulden. Im Mai desselben Jahres promovierte Federl an der Universität Ingolstadt zum Dr. utr. jur. Aus diesem Anlass verehrte ihm der Landgraf einen goldenen Becher im Wert von 40 Gulden. Im Februar 1583 hielt Dr. Federl in München Hochzeit. Im selben Jahr übernahm Georg Ludwig die Regierung der Landgrafschaft und zog zusammen mit Dr. Federl, den er per 1. Januar 1584 zum Kanzler und Lehensprobst ernannte, nach Pfreimd. Dr. Federl erwies sich als gewandter und zäher Politiker (eben als ein mit allen Wassern gewaschener Jurist), der aber stets die Belange der Landgrafschaft im Auge hatte. So schloss er für den Landgrafen günstige Verträge mit dem Kaiser und dem kurpfälzischen Hof. Er vertrat seinen Fürsten in Reichs- und Kreistagen und  entledigte sich seiner vielfach gestellten Aufgaben mit seiner ihm eigenen Gewandtheit. Landgraf Georg Ludwig belohnte seine treuen Dienste, indem er ihm 1593 den „alt gefreiten adeligen Hof“ zu Pirk einräumte und ihm und seiner Familie durch Urkunde vom 6. August 1597 die „Niedergerichtsbarkeit und Gemeinsherrschaft“ in der ganzen Ausdehnung der Dorfmark Pirk und viele andere und weitere Vergünstigungen gewährte.  In Pfreimd besaß Federl zwei Häuser, so dass er über einen ansehnlichen Besitz verfügte. Da Landgraf Georg Ludwig als kaiserlicher Rat, Kämmerer und Reichshofratspräsident häufig an den kaiserlichen Hof in Prag gebunden war und somit kaum Regierungsgeschäfte wahrnehmen konnte, schien es ihm nötig, einen Präsidenten über die Landgrafschaft zu bestellen. Kein anderer schien ihm dazu besser geeignet zu sein als Dr. Johann Federl, den er deshalb zum Geheimrat und Präsidenten ernannte. Gleichzeitig wurde der bisherige Rat Dr. Georg Myläus zum Kanzler bestellt. Federl spielte als höchster Beamter der Landgrafschaft auch bei Ereignissen der landgräflichen Familie, so z.B. bei Hochzeiten, Taufen, Begräbnissen oder hohen fürstlichen  Besuchen, eine glänzende Rolle. Wie schnell sich aber Fürstengunst ändern kann, musste Federl am eigenen Leibe verspüren. Nach dem Tode Georg Ludwigs am 24. April 1613 änderte sich vieles grundlegend. Sein Nachfolger und einziger Sohn Landgraf Wilhelm, der wegen seines unfürstlichen Lebenswandels von der Regierung ausgeschlossen worden war (s. hierzu Stadtturm-Jahresschriften Nrn. 15/1999 und 16/2000), putschte sich durch einen Handstreich doch an die Macht und enthob Federl im September 1614 all seiner Ämter und „brummte“ ihm außerdem noch eine saftige Strafe in Höhe von 1500 Gulden auf. Am 7. April wurde Federl allerdings wieder in Gnaden aufgenommen und als Rat und Präsident eingestellt. Doch schon am 20. Juni 1620 ließ ihn Landgraf Wilhelm enteignen, seine Fahrnis und Mobilien im Wert von 3065 Gulden weg nehmen und des Landes verweisen. Dies war der Dank für seine 50-jährigen treuen Dienste für die Landgrafen von Leuchtenberg. Federl zog daraufhin nach Regensburg und wandte sich angesichts seiner finanziellen Not an Herzog Maximilian von Bayern, der ihm vom Hofzahlamt 300 Gulden vorstrecken ließ. Federl hielt sich einige Zeit in Regensburg auf, musste aber fast sein gesamtes Silbergeschirr und vier goldene Gnadenpfennige verkaufen, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Erst als im September 1621 Landgraf Wilhelm durch die Bayern gefangen genommen und festgesetzt wurde, Herzog Maximilian die Administration über die Landgrafschaft übernahm, kamen für Federl wieder bessere Zeiten. Am 5. Januar 1622 kam er wieder nach Pfreimd zurück, fand aber seine Behausung durch die mansfeldischen Truppen übel zugerichtet vor. Am 23. Januar war für Federl ein großer Tag. An diesem Tage versammelte sich die gesamte Landgrafschaft, Landsassen, Bürger und Bauern in Pfreimd, denn der bayerische Regierungskommissär stellte die von Herzog Maximilian berufene neue Regierung der Landgrafschaft Leuchtenberg vor. Hans Jakob Schad wurde zum Statthalter, Dr. Johann Federl und Dr. Georg Myläus wurden zu Administrationsräten ernannt. Somit war Dr. Federl, dem Landgraf Wilhelm viel Unrecht angetan hatte, wieder in sein Amt eingesetzt. Als Ersatz für seine materiellen Schäden bekam er 4000 Gulden zugebilligt und seine sämtlichen Besitzungen zurück.

In seinen letzten Lebensjahren litt Federl viel an der Podagra (Gicht). Am 3. Juli  1626 machte er sein Testament und ließ es von Dr. Myläus unterzeichnen. Darin vermachte er der Pfarrkirche Pfreimd den Zehent von Mitternaich, welchen er von Landgraf Georg Ludwig verliehen bekam. Früher stiftete er schon einen Jahrtag an der Pfarrkirche. Am 20. Juli 1626 verstarb Federl im Alter von 76 Jahren und hinterließ eine Tochter und sechs Söhne, die alle studiert hatten und Priester bzw. leuchtenbergische Beamte waren. Federl war ebenso wie Landgraf Georg Ludwig ein strenger und tief gläubiger Katholik, der soweit als irgend möglich täglich die hl. Messe besuchte. Wie sehr er der Lehre Luthers entgegen stand, zeigt sich darin, dass er mehrere Seiten aus dem  Stadt- und Gerichtsbuch heraus schnitt, da sie sich auf die Reformation bezogen. Mit eigener Hand schrieb er auf Seite 143: „Nota bene, famosa scripta oder ehrenrührige Schriften, darinnen die geistliche und weltliche Obrigkeit angegriffen und verkleinert wird, gehören in das Feuer und nicht in die Stadt- und Gerichtsbücher. Ita testor Ego Dr. Johann Federl I.V.D. et pro tempora Cancellarius Pfreimdensis Anno 1592”.

280 Jahre nach seinem Tode tauchte plötzlich der Name Dr. Federl in Pfreimd wieder auf, als nämlich am 9. Mai 1906 der „Pfreimder Schatz“ gefunden wurde. Neben wertvollen Pokalen und verschiedenen anderen Kunstgegenständen, die zum Teil Geschenke des Landgrafen Georg Ludwig an seinen treuen Präsidenten Dr. Federl waren, befand sich auch der Siegelring Dr. Johann Federls unter den Fundstücken. Somit kann mit großer Sicherheit angenommen werden, dass es sich hier um den Familienschatz der Federl handelte, da sich dieses Gebäude, in dem der Schatz gefunden wurde, einst im Besitz Dr. Federls war.

Laut Vermerk in „900 Jahre Gemeinde Pirk (Herausgeber: Gde. Pirk, Verfasser: Dr. Adolf Wolfgang Schuster, Weiden) auf Seite 221 wurde Johann Federl, Dr. der Rechte, am 26.Juni 1598 von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben (Freiherr).

Im Jahre 1754 wurde das Pfreimder Bürgerspital durch einen Brand völlig zerstört. Zur Wiederherstellung stiftete Frau Therese von Federl aus Pirk, eine Nachfahrin unseres Dr. Federl, eine Summe von 1500 Gulden.

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